Filmreihe zum Thema Globalisierung

Regie: Bahman Ghobadi
Produktionsland:  Iran/FR/Irak
Jahr: 2004
Länge: 98 min.
Sprache: OmU


Der Nord-Osten des Iraks an der Grenze zur Türkei ist eine gottverlassene Gegend, erst recht in jenen Tagen im Jahr 2003 unmittelbar vor der Invasion der US-Truppen und ihrer Verbündeter. Abgeschnitten von der Umwelt und vergessen von der Weltöffentlichkeit, die sich lieber um geostrategische Erwägungen kümmert, vegetieren die Bewohner eines kurdischen Flüchtlingslagers vor sich hin. Der einzige unter ihnen, der Engagement zeigt, ist ein 13-jähriger Junge, der auf den seltsamen Namen "Satellit" hört und der so etwas wie der heimliche Chef des Lagers ist. Denn in der bedrückenden Welt des Lagers haben die verzweifelten und traumatisierten Erwachsenen nicht viel zu sagen haben. Außerdem kennt Satellit als einziger die CNN-Nachrichten und ist somit von enormer Bedeutung, weil nur er ein Bild der weltpolitischen Lage hat und einschätzen kann, wann endlich die lang ersehnte Befreiung durch die Amerikaner erfolgt. Klar, dass Satellit nichts sehnlicher erhofft als deren Einmarsch, denn er ist ein glühender Verehrer Amerikas. Satellit befehligt eine Armee von Kindern, die die umliegende Gegend nach Minen (natürlich amerikanischer Herkunft) absuchen, mit denen Sadam Hussein unter anderem den Krieg gegen die eigene Bevölkerung führte. Viele der kleinen Minensucher sind bereits verstümmelt, und doch gehen sie immer wieder auf die Suche nach den todbringenden Hinterlassenschaften des Krieges. Ein Zwischenhändler verkauft die explosiven Fundstücke schließlich an die UNO, mit einer gewaltigen Profitspanne für sich selbst, versteht sich. Doch als das Mädchen Agrin mit ihrem verstümmelten Bruder und einem zweijährigen blinden Kind, im Lager eintrifft, bekommt Satellits Weltbild einen Sprung, denn zum ersten Mal in seinem jungen Leben verliebt er sich. Und er muss sehr viel riskieren, um zu Agrim durchzudringen, denn das Mädchen ist schwer traumatisiert und wünscht sich nichts sehnlicher als den Tod. Als die amerikanischen Truppen schließlich das Lager erreichen, kann sich ausgerechnet Satellit nicht mehr über die Befreiung freuen. "Schildkröten können fliegen" ist der erste irakische Film seit dem Sturz des Regimes Sadam Husseins und somit bereits an sich ein historisches Dokument. Doch nicht allein das macht den Film zu einem wirklich sehenswerten und bewegenden Drama. Es ist vor allem die Geschichte, die der Regisseur Bahman Ghobadi erzählt und es sind die Gesichter der jungen Laiendarsteller, die aus diesem Film ein flammendes Pamphlet gegen jede Form von Krieg macht. Dabei vertraut Ghobadi allein auf die Kraft seiner Erzählung und verzichtet auf die zu erwartenden Gräuelbilder. Stattdessen wählt er Kinder als die eigentlichen Opfer des Krieges und führt drastisch vor Augen, wie absurd und traumatisierend das ist, was die Erwachsenen anrichten. "Schildkröten können fliegen" erhielt den Friedensfilmpreis auf der 20. Berlinale 2005, wurde auf dem Filmfestival von San Sebastian im Jahr 2004 mit der Goldenen Muschel als bester Film des Festivals ausgezeichnet, war 2005 außerdem für den Oscar als besten fremdsprachigen Film nominiert und errang zahlreiche weitere Preise auf anderen Festivals.


Präsentiert von:
Amnesty International Hochschulgruppe Halle/Saale


Rahmenprogramm
Im Anschluss findet ein Gespräch mit Mamad Mohamad, einem Mitglied der Geschäftsführung des "Landesnetzwerk Migrantenselbstorganisationen Sachen-Anhalt" (LAMSA) statt. Mohamad ist außerdem Sprecher des halleschen "Gemeinde der Kurden aus Syrien e.V.".


Weiterführende Informationen
Filmheft der Bundeszentrale für politische Bildung

 

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Power To Change

 

Weiter mit der Globale-Filmreihe wird es voraussichtlich im Februar 2018 gehen. Wir freuen uns darauf !

 

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